Wie steht es fünf Monate nach der Wahl um die Belange von Kindern, Jugendlichen und Familien in Bielefeld?
Wir als Partei Lobbyisten für Kinder möchten ein kurzes Zwischenfazit der ersten 5 Monate ziehen. Fangen wir mit den positiven Meldungen an: Das Haus des Handwerks wurde gekauft, um das Gymnasium am Waldhof zu erweitern, das „Seidensticker-Gymnasium“ nimmt erstmals Anmeldungen an, die Einrichtung einer Hauptschule bzw. eines Hauptschulzweigs wird geprüft, eine neue Förderschule wird in Betrieb genommen und das Bauprogramm zur Erweiterung von 16 Bielefelder Grundschulen startet,
auch wenn die Waschbecken für die Kinder mit fadenscheinigen Argumenten kalt bleiben.
„Das ist nicht schlecht, reicht aber bei weitem nicht aus – vor allem mit Blick auf die konkrete Umsetzung“, erklärt Nicole Reese von den Lobbyisten.
Zwar wurde das Haus des Handwerks gekauft, doch die Bauarbeiten sollen frühestens im Laufe des Jahres 2027 beginnen. Der dringend benötigte zusätzliche Platz sowie eine Turnhalle fehlen damit noch über Jahre hinweg. Aktuell wird ein kompletter Jahrgang im feuchten Kellergeschoss unterrichtet, das ist schlicht unzumutbar. Auch bei weiteren Maßnahmen sieht die Partei deutliche Defizite in Planung und Umsetzung. Der geplante Bau der Gellershagen-Grund- und Sekundarschule im Jahr 2030 droht gestrichen zu werden. Auch zur dringend benötigten Erweiterung oder zum Neubau einer Realschule sind bislang keine konkreten Perspektiven erkennbar. Trotz der großen Nachfrage scheint es hier keinen politischen Willen zur Umsetzung zu geben. Besonders kritisch ist die Situation rund um die neu geplante Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung. Zwar entstehen dort 30 bis 40 zusätzliche Schulplätze, gleichzeitig wird jedoch aufgrund von Personalmangel das Angebot der Albatross-Schule reduziert und Personal von dort an die neue Schule verlagert. „Für betroffene Familien bedeutet dies erhebliche Belastungen, sodass Eltern wieder einmal ihre Arbeitszeit werden reduzieren müssen und die Kinder nicht ausreichend geeignet gefördert werden. Zugleich werden in Politik und Verwaltung Diversity-Strategien erarbeitet und die Nachhaltigkeitsziele der UN plakatiert, die man dann aber selbst missachtet“, ärgert sich Reese.
Damit aber nicht genug. Auch ein kostenloses oder vergünstigtes Schülerticket wurde von der Ratsmehrheit bislang nicht einmal diskutiert, obwohl viele Familien finanziell stark belastet sind. Auch die erneute Kritik von Eltern und Schulen an der Qualität des Schulessens des Heidelberger Essenslieferanten wird voraussichtlich ebenfalls keine Veränderungen nach sich ziehen. „Solange wir nicht endlich am grundsätzlichen „Mindset“ arbeiten, wird sich nichts ändern“, sagte Reese. „Ich erlebe überall nur, dass man sich hinter Regeln und Gesetzen versteckt, anstatt sich aktiv für Veränderungen einzusetzen. Warum testet man nicht z.B. für einige Monate ein 20 Euro Schülerticket für Bielefeld, evaluiert es und entscheidet danach über das weitere Vorgehen.“
Die Liste der Mängel und Herausforderungen lässt sich fortsetzen: Zutrittsverbote von Eltern zum Schulgelände, Probleme durch Elterntaxis und fehlende Einrichtungen von Schulstraßen, eine widersprüchliche Digitalstrategie mit fehlenden Konzepten und unzulänglichem Schutz vor Missbrauch, unsinnige Regeln bei Fahrten zu auswärtigen Lernorten und Sportstätten, Lehrermangel und Unterrichtsausfälle sowie zunehmende Belastungen im Kita-Bereich durch geplante Änderungen im KiBiZ.
Nicht alle Entwicklungen liegen in der Verantwortung der Stadt. Dennoch zeigt sich aus Sicht der Lobbyisten für Kinder, dass der erhoffte politische Umschwung bislang ausgeblieben ist. Wir fordern daher alle Beteiligten in Politik, Verwaltung und Gesellschaft auf, Bildung sowie die Belange von Kindern und Jugendlichen endlich stärker in den Mittelpunkt zu stellen.